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Die Herrscher über Lalish
Khidir S. Khalil (Pir Xidir Sileman)

Vor der Erscheinung Sheikh-Adi´s (1074-1162) wird der Name Lalish in der Literatur nicht erwähnt. Es ist daher anzunehmen, daß erst mit Sheikh-Adi der Name Lalish in die Literatur eingegangen ist. Für die These spricht auch, daß der Ort Lalish von vielen als der Tempel Sheikh-Adi´s bezeichnet wird. Einige Jahrhunderte nach Sheikh-Adi wurde die Geschichte des Yezidentums, der Lebenslauf Sheikh-Adis und die Entstehung Lalish´s von einigen nahöstlichen Orientalisten wie Ibn Asir, Ibn Khalkan, Abu Fida, Hafis Zeheb, Ibn Werda, Mekrisi, Yafi und Scherani näher beschrieben. Die Meinungen wichen kaum von einander ab, insbesondere die Meinung über die Herkunft des Reformators Sheikh-Adi. Hier sind sich alle einig, daß er aus dem Gebiet Großsyrien und genauer aus der Ortschaft Beyt El-Far in Balbek (Bilad El-Scham) stammt und nach Lalish auswanderte. Viele Yeziden versammelten sich um ihn und betrachteten ihn als Hoffnungsträger und Retter der vom Untergang bedrohten Religionsgemeinschaft. Er wurde ca. 90 Jahre alt und Lalish wurde nach ihm benannt.

Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckten Archäologen und Historiker eine Tontafel mit kaldäischer Schrift. Aus dieser Tafel ist zu entnehmen, daß Lalish vor der Zeit Sheikh-Adi´s eine christliche Kirche (Kloster) war.

Der Autor dieser Schrift war der christliche Pfarrer Ram Ischo. Nach seinen Forschungen wurde Lalish im siebten Jahrhundert nach Christus errichtet. Unter der Führerschaft von Sheikh-Adi hätten die Yeziden Lalish von den Christen gewaltsam weggenommen. Diese Meinung wurde in der Geschichte auch von weiteren zumeist christlichen Autoren vertreten und entspricht nicht den geschichtlichen Tatsachen. So wird überwiegend als das Jahr der Erorberung Lalish durch die Yeziden 1222 n. Chr. genannt. Hiernach war Sheikh-Adi aber schon 60 Jahre verstorben.

Der christliche Wissenschaftler George Habib, ein anerkannter Historiker, lehnt in seinem Buch[1] über das Yezidentum die Theorie ab, daß Lalish christlichen Ursprung sei. Seinen Erkenntnissen nach ist Lalish noch vor dem Christentum erbaut worden und wurde von den Mithra als Sonnentempel genutzt. Die Yeziden sind die Nachfolger der Mithra. Noch heute sind in den Mauern von Lalish Symbole des Mithra-Kult als Mosaikwerke zu sehen.

Diese Mosaike sind ein Beweis dafür, daß Lalish keineswegs ein christlicher Ort, sondern ein Feuertempel der Sonnenanbeter war.

Die heutigen Yeziden betrachten sich als Nachfahren der Sonnenanbeter. Ihre Religion ist die Fortentwicklung der Religion von der Verherrlichung der vier Lebenselemente über die Feuer- und Sonnen- zur Eingottanbetung.

Die zahlreichen Gebete der Yeziden belegen diese Theorie. Die Sonne wird heute noch als sichtbares Zeichen Gottes im Himmel betrachtet.

Aus dem genannten läßt sich schlußfolgern, daß Lalish vor der Zeit Christus ein Tempel der Mithra war und anschließend von den Yeziden bewohnt wurde. Es ist anzunehmen, daß Lalish aufgrund seiner strategisch günstigen Lage in seiner Geschichte von den Assyrern besetzt wurde. Die Zarathustrier haben während der Zeit der Sassaniden Lalish zu einer Art Religionszentrum gemacht. Auch die Christen haben Lalish den Yeziden weggenommen. Sheikh-Adi konnte jedoch den damaligen Mar (christlicher Geistlicher) Yuhanna überzeugen, daß die Yeziden die rechtmäßigen Eigentümer von Lalish sind. Er überließ friedlich Lalish den Yeziden. Es wird überliefert, daß er als Bedingung für seine Räumung erklärt habe, daß in einem yezidischen Qewl die Namen der beiden letzten Mönche von Lalish Hena und Berhena erwähnt werden sollten. Diese Bedingung wurde als Würdigung der friedlichen Übergabe von Lalish und der geschichtlich gewachsenen Freundschaft zwischen Yeziden und Christen erfüllt.

Besatzungen und Pogrome in Lalish

In der Geschichte der Yeziden sind viele Pogrome an den Yeziden verübt worden. Lalish als Religionszentrum war sehr oft erstes Angriffziel der Feinde des Yezidentums.

So wurde Lalish in seiner Geschichte des öfteren Schauplatz unvorstellbarer Greueltaten an den Yeziden.

Wir wollen hier nur einige exemplarisch erwähnen: Bedredin Lulu, der vom Christentum zum Islam konvertierte Herrscher von Mossul, verübte große Gewalttaten an den Yeziden und schändete mehrmals das Heiligtum Lalish. Damit der Glaube der Yeziden an ihre Religion zerbricht und sie zum Islam überwechseln ermordete er im Jahre 1223 n. Chr. hinterhältig den yezidischen Fürst und Nachfahren Mir Sheikh Hassen und ließ seine zerstückelte Leiche vor die Tore von Mossul werfen. Zehn Jahre später richtete er bei der Belagerung von Lalish große Schäden am Heiligtum an. Er entweihte das Grab von Sheikh-Adi, indem er es öffnete und die Gebeine Sheikh-Adi´s verbrannte. Viele Yeziden mußten aus ihren angestammten Gebieten um Lalish flüchten, eine große Zahl von Yeziden wurde umgebracht bzw. in die Gefängnisse von Mossul verschleppt. Der letzte Wille der Yeziden sollte gebrochen werden, als Bedreddin Lulu ca. einhundert yezidische Persönlichkeiten, Stammesführer und religiöse Würdenträger auf bestialische Weise ermorden ließ und sie zur Abschreckung der Yeziden an Bäumen aufhängte. Einige kurdische Fürsten zerstörten 1396 n. Chr. bei einem großen Feldzug gegen die Yeziden u.a. die kegelförmigen Türme von Lalish. Die Yeziden stellten Lalish jedoch wieder her. Trotz dieser gewaltvollen und vernichtenden Heimsuchungen von Lalish durch überwiegend fundamentalistische Moslems, konnten die Yeziden ihr Heiligtum erhalten. Damit ist Lalish zum Symbol für den ungebrochenen Widerstandswillen der Yeziden geworden.[2]

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